Sprotte und Knete (1)

Sprotte war ein Eigenbrötler…Nein, laut Wikipedia war er das nicht. Er hatte ja Freunde und war auch nicht kontaktscheu.

Wie kann man es nennen…er war einfach nur eigen. Das heißt, er tat manchmal Dinge, die ein „normaler“ Mensch nicht tun würde. Er war nicht verrückt oder verhaltensauffällig oder dergleichen. Er war …kauzig. Das trifft es wohl am besten.

Er hatte seine Marotten, die im einzelnen nicht schlimm gewesen wären. Jedoch hatte er so viele davon, so dass es auch Außenstehenden manchmal auffiel. Er hasste beispielsweise Handschuhe. An ihm und an anderen. Im Winter war es also schwer, ihm die Hand zu geben. Verpasste Sprotte eines der Quadrate auf dem Bürgersteig, ging er rückwärts zurück und führte den Schritt noch einmal „sauber“ aus. Es durfte bloß niemand sehen. Das war ihm unangenehm.

Weil er als Kind und Teenager ziemlich unauffällig war, wollte er sich einen „signature – move“ aneignen. Nach langem Überlegen kam er auf Ohrenwackeln. Das perfektionierte er in den Jahren der Einsamkeit. Leider betrieb er es so exzessiv, dass er es eines Tages nicht mehr unter Kontrolle hatte. Also wackelte Sprotte manchmal unwillkürlich mit den Ohren.

Sprotte hatte nur einen richtigen Freund. Amadeus Knethahn, von allen nur „Knete“ genannt.

Knete kannte Gott und die Welt. Jedenfalls behauptete er das. Er nickte oder winkte vielen Menschen auf der Straße zu. Meist nickten oder winkten Sie zurück. Man könnte meinen, sie täten das nur aus Höflichkeit. Es könnte allerdings auch sein, dass sie ihn wirklich kannten. Man wusste wenig über Knete.

Sprotte und Knete gaben rein äußerlich ein bizarres Paar ab.

Sprotte war etwas dröge. Er hatte eine Brille auf und etwas schütteres Haar. Er trug stets Sandalen. Nur Socken ließen Rückschlüsse auf die Jahreszeit zu. Sein Erscheinungsbild suggerierte ein Alter jenseits der 50 ( er war Mitte dreißig ).

Knete hingegen wollte nach außen hin jünger wirken als er war (46). Ein grün-gelbes Mashcap von John Deere, stetig wechselnde bunte Shirts und lange Haare galten als Ausdruck seiner Jugend. Den Schnauzbart wollte er noch entfernen lassen. Seit 4 Jahren.

In gewisser Weise war er auch ein Kauz.

Knete war sehr geheimnisumwittert. Es existierten lediglich urbane Sagen und Legenden um ihn. Überliefert ist, dass er auf dem zweiten Bildungsweg Fliesenleger gelernt hatte. In seinen Augen war das so etwas wie ein Diplom in allen handwerklichen Berufen. Zu jedem Bauwagen, jedem Baugerät und jeder Baustelle hatte er irgendwas zu sagen bzw. zu bemängeln.

Das war Sprotte aber egal. Die beiden verstanden sich auf irgendeiner Metaebene und waren Freunde.

Knete`s Lieblingsgericht waren Kaugummis. Big Red.

Sprotte war beim Lieblingsessen anspruchsvoller. Er selbst konnte gut kochen. Meinte er. „Alles von Oma gelernt“ wurde er nie müde zu betonen. Er konnte nur Königsberger Klopse. Die waren aber wirklich vorzüglich.

 

 

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