Sprotte’s Iglu (2)

„Fickscheiße! Die drehen mir den Hahn zu! Blutsauger!“

rief Sprotte eines Morgens im Winter. Gerade hatte er das 8. Schreiben vom Gaslieferanten bekommen.

Vorigen Winter hatte er Infopost von der Gasgesellschaft erhalten. Der Gaspreis sei gestiegen, und er solle nun 1,79 monatlich mehr zahlen. Wollte er aber nicht. Zwei Beschwerdeversuche waren an der Warteschleife und seiner Geduld gescheitert. Er beschloss, selber aktiv zu werden. Aktiv, indem er überhaupt nicht mehr bezahlte. Nun kam der Boomerang.

Die Forderung der Gasgesellschaft konnte er nicht begleichen. Er hatte das Geld anderweitig angelegt. In Nutztierfutter. Sprotte war auf die Idee gekommen, sich Hühner und Ziegen (Kühe hätten den Rahmen gesprengt) anzuschaffen und im Hinterhof zu halten. Da wäre er im Falle eines Ziegenmilch- oder Eier Engpasses autark. Futter hatte er schon mal.

Umgehend kontaktierte er Knete.

Mit Beharrungsvermögen und der nötigen Aggressivität hatte er ihn an der Strippe.

„Knete! Gut, dass ich dich dran habe!“

„Wen hast du denn erwartet? Das ist mein Handy!“

Knete war soeben auf den Treppenstufen aufgewacht und hatte noch einen Schädel vom Vortag. Er hatte mit seinem Hausmeister selbstgebrannten Schnaps getrunken. Der Hausmeister war nicht wirklich ein Hausmeister. Er wohnte nur im Hausflur. Aber er sah nach dem Rechten, roch nicht und hatte guten Obstler.

Aufgebracht schilderte Sprotte ihm den Sachverhalt. Knete beruhigte Sprotte mit einem Rülpser und der Ankündigung, er würde gleich vorbeikommen. Er suchte sein Cap, setzte es auf, stieg über den Hausmeister und ging los. Ihm war kalt. Er hatte keine Jacke mehr, seit er Sprotte beweisen wollte, dass Daunen gut brennen.

Bei Sprotte angekommen, setzte er sich erstmal in die Küche. Es war fast so kalt wie draußen.

„Junge, junge…Hast du noch Kaffee da?“

Sprotte verwies auf den Krümelkaffee von Melitta, der einsam und angestaubt im Regal stand. Sprotte trank keinen Kaffee. Er mochte lieber Kakao.

Knete guckte sich widerwillig die Melittakrümel an und machte sich eine Tasse. Sprotte reichte ihm das Schreiben mit einer Hand, mit der anderen popelte er. Knete wiederholte, was in dem Brief stand.

„Mhm mhm mhm…also da steht…“

„Ich weiß was da steht! Ich weiß nur nicht, was ich machen soll. Deshalb habe ich dich ja angerufen!“

„Gut du willst wissen, was ich jetzt machen würde? Ich würde da anrufen.“

„Hab ich.“

„Wann?“

„Vor 11 Monaten.“

„Was haben die gesagt?“

„Ich habe nicht mit denen gesprochen“

„Hä?“

„Na ja im Schreiben steht ja alles. Die Gaspreise haben sich erhöht bla, bla…und dass die das umlegen dürfen, blabla.“

„Ja musste dann wohl zahlen“

„Ja…kann ich aber nicht. Kann ich nicht, will ich nicht…“

„Das ist natürlich scheiße“, sagte Knete und schlürfte an seinem widerlichen Gesöff. Nach kurzem Überlegen sagte er:

„Komm mal mit.“

Knete ging ins Wohn/ Schlaf/ Esszimmer und guckte.

„Warum schläfst du hier eigentlich?“

„Schlafzimmer ist voll.“

„Womit denn?“

„Tierfut…Ach, einfach so vollgestellt.“

Knete Fragte nicht weiter nach. Er fixierte nur den Kachelofen, der in so vielen älteren Mietshäusern noch steht.

„Was ist den hiermit? Geht der noch?“

„Weiß ich doch nicht. Ich habe mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Und den Vermieter wollte ich jetzt nicht fragen. So wenig Kontakt wie möglich.“

„Ok“ gab sich Knete überraschend schnell zufrieden.

Knete hatte nämlich einen Plan gefasst. Er wollte den Kachelofen wieder reaktivieren.

„Bist du blöde? Ich weiß gar nicht ob der überhaupt noch einen Schornstein hat.“ sagte Sprotte, nachdem Knete sein Vorhaben vorgetragen hatte. Knete überlegte weiter.

„Man könnte ja…Pass auf, hast du nen Staubsauger?“

„Ja im Schlafzimmer.“

„Nimmst du halt den als Schornstein! Dann musst du halt öfter mal den Beutel wechseln. Aber es ist warm.“

Sprotte verstand. Das klang schlüssig.

Sie befestigten sie den Staubsaugerschlauch am Ofen. Dann besorgten sie sich einen alten Holztisch vom Bürgersteig und zerlegten ihn mit der Säge von Knetes Taschenmesser. Nach 8 Stunden warfen sie die ersten Tischbeine in den Ofen.

Um 19:23 wurden Sprotte und Knete mit einer Rauchgasvergiftung ins städtische Krankenhaus eingeliefert.

Wieviel Grad die Raumtemperatur zu diesem Zeitpunkt betrug ist unbekannt.

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