Der Wirbel (6)

“ Das Regenradar hat immer Recht! “ schrie Knete, als er bei Sprotte in die Wohnung stürmte.

“ Woher hast du einen Schlüssel von mir? “ fragte Sprotte.

“ Hab ich von letztens, als wir einkaufen waren. “ Sagte Knete wie als wäre es                 selbstverständlich.

“ Aber wie? “ Sprotte war verwirrt.

Knete fuhr fort: “ Ich sollte doch kurz deine Hose halten, weiste noch? Da war der Schlüssel drin. Bin dann direkt zum Schlüsseldienst in der Eisenwarenabteilung und habe mir den nachmachen lassen. Hast du gar nicht gemerkt… Nur für alle Fälle. “

Sprotte schaute ihn fragend an. Knete fuhr fort: “ Auf jeden Fall ist auf dem Radar für morgen ein Tropensturm vorhergesagt! “

Er packte Sprotte an den Schultern und schüttelte ihn.

“ Jetzt heißt es nicht lange Fackeln ! Ab in den Baumarkt! “ sagte er und rannte los.

Ohne weitere Fragen ging Sprotte langsam hinterher.

Obi.

Knete joggte über den Parkplatz. Er rief Sprotte im rennen zu: “ Einkaufswagen! Auf jeden Fall den großen! “

Er arbeitete sich im Baumarkt wie ein Derwisch durch die Gänge. “ Gummistiefel die extradicken! Gewachste Regenponchos! Je schwerer, desto besser! Hosen! Wo sind Regenhosen? “

“ Knete meinst du nicht, du übertreibst? “ sagte Sprotte. “ Ich habe gar nix gelesen. Es sieht auch nicht sehr wolkig aus… „.

“ Sprotte! Junge! Kennst du nicht die Ruhe vor dem Sturm? Der trifft uns! Und wenn es dann soweit ist: Baaaam! “ Knete nahm 3 Zelte.“ Kann man übereinander aufbauen. Garantiert Wasserfest! 3 Fach. Ein Kanu!!! Sprotte, hast du noch die Bilder von 2004 im Kopf? Thailand? Mit Kanus wären da nur halb so viele Leute ums Leben gekommen! “

“ Ja, ja is gut, ich bekomme langsam Hunger. “

“ Ach!!! Mir fällt gerade ein, Astronautennahrung! Ballaststoffe. “

“ Knete! Selbst wenn es morgen regnen sollte, das wird mit Sicherheit kein Weltuntergang, glaub mir !!! “

“ Guck doch in mein Handy! “ sagte Knete und warf es zu Sprotte. Ungenau. Sprotte musste hechten. Er war unsportlich. Rippenprellung.

Für die nächsten Tage war nichtmal eine Brise angekündigt. Sprotte sah schwer atmend in Knetes Browserverlauf. Knete hatte statt seiner Adresse, Darienstraße 19, fälschlicherweise den Wetterbericht von der Provinz Darien in Panama aufgerufen. Dort war gerade Hurrikansaison und es waren tatsächlich Unwetterwarnungen rausgegeben worden. Sprotte rief panisch:

“ Oh mein Gott, Knete! Du hattest recht! Wir brauchen Holz! Rohstoffe, Blumenerde! Möglicherweise müssen wir nach der Katastrophe eine neue Zivilisation aufbauen! Wir brauchen Frauen in gebärfähigem Alter! Wir bauen eine Arche! “

Knete sah Sprotte an. “ Verarscht du mich?“

Sprotte schrie: “ Verarscht du mich? Du verhältst dich seit heute morgen wie ein Geistesgestörter, weil in Panama Hurricansaison ist!!! Du Nappel. Guck doch einfach mal genau nach.“

Knete schaute nach und bemerkte langsam, in was für eine unangenehme Situation er sich manövriert hatte. Er startete noch zwei Versuche sich rauszureden, aber dann gab er auf.

“ Ja, ok mein Fehler. Entschuldige. “ Sprotte ging kopfschüttelnd aus dem Baumarkt.

Aber es war unmöglich, Knete sauer zu sein. Er meinte es ja gut.

Knete kam hinterhergelaufen. In der Hand eine Tüte Kräuterblumenerde. “ Für meinen Kräutergarten im Stadtpark. “ Sprotte wunderte sich. Er wusste, dass es dort keine öffentlichen Gärten zum Kräuterzüchten gab. Er wollte aber auch gar nichts genaueres über Knetes geheimen Garten wissen.

Er hatte Hunger.

 

 

 

 

 

 

 

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